Fachportal zur Geschichte und Kultur der Deutschen in Kaukasien

13. Ortsplan, Stadtentwicklung

Am Osterdienstag 1819 erfolgte die offizielle Ortsgründung durch 135 schwäbische Familien. Zu Ehren der Schwester des Zaren, Jelena Pawlowna (Ehefrau von Friedrich Ludwig von Mecklenburg-Schwerin), wurde die Kolonie „Helenendorf" genannt (ab 1916: Jelenino, 1938-2008: Chanlar, seitdem Göygöl).

Die Kolonisten erhalten folgende Privilegien:

  • 7.315 Land Hektar Gemeindeland zur erblichen Nutznießung
  • Finanzielle Unterstützung zu Siedlungszwecken
  • Religions- und Militärfreiheit (bis 1887)
  • Innere Verwaltungsautonomie

Am 28. Juli 1826 wurde der Ort im Russisch-Persischen Krieg zerstört, 1829 – 1831 wüteten Pest und Cholera. Erst zu Beginn des 20. Jh.s konnten Seuchen durch verbesserte hygienische Bedingungen und Impfungen dauerhaft gebannt werden.

Mitte des 19. Jahrhunderts gelang mit der Spezialisierung auf die Winzerei und den Wagenbau ein wirtschaftlicher und sozialer Aufschwung, der sich in der Baugeschichte widerspiegelt. 1883 wurde der Ort über die Transkaukasische Eisenbahn mit Zentralrussland und Westeuropa verbunden.

Während des Ersten Weltkriegs konnte 1915 eine drohende Deportation der deutschen Bevölkerung dank der Fürsprache Einheimischer noch abgewendet werden. Im Jahre 1916 verfügte Helenendorf über Grund-, Real- und Gehörlosenschulen, zentrale Wasserversorgung, Elektrifizierung und ein Telefonnetz.

Von Mai 1918 bis zur Sowjetisierung im April 1920 war es Teil der Aserbaidschanischen Demokratischen Republik, in deren Parlament die deutsche Minderheit durch den Helenendorfer Lorenz Kuhn vertreten wurde. Die Kolonisten stellten ein eigenes Bataillon auf, um gemeinsam mit aserbaidschanischen Truppen das Land zu verteidigen.


Nach einem zweiten Erblühen in den 1920er Jahren wurde mit der Kollektivierung und Zerschlagung der Großgenossenschaft „Konkordia" die Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgemeinschaft der deutschen Siedlungen bis 1935/36 zerstört. Als Chanlar 1938 zur Kreisstadt wurde, ließen sich rund 4.000 nichtdeutsche Partei- und Staatsbedienstete mit ihren Familien im Ort nieder.

Zwischen dem 15. und 30. Oktober 1941 wurden alle deutschen Ortschaften geräumt und die Bevölkerung über Gäncä/Gjandscha und Baku per Schiff nach Krasnowodsk und weiter nach Zentralasien deportiert.